Was ist unser Geld wert? | Harald Lesch

Heute geht’s ums Geld. Es wird darum gehen wie Geld entsteht und wer Geld machen darf. Dazu habe ich mir einen Gast eingeladen: Rainer Voss. Er hat 30 Jahre auf den internationalen Kapitalmärkten gearbeitet. Woher kommt eigentlich der Wert des Geldes? Also die einfachste Antwort, die ich darauf geben kann, ist historisch. Früher hatten die Fürsten das sogenannte Münzmonopol.

Und es wurde ein Geld benutzt, das im Fachausdruck “Kurantgeld” heißt. Dieses Kurantgeld bezog seinen Wert aus dem Wert des Metalls, das in der Münze enthalten war. Also es gibt ein sehr schönes Beispiel bis in die Vergangenheit: Wir hatten, da werden sich wenige Leute dran erinnern, In den 70ern hatten wir ein 5-Mark-Stück. Das war der sogenannte Heiermann. – Genau. Schön. – Und dieser Heiermann war eine Silbermünze. – Der war schwer. – Ja. Deswegen weil die aus Silber war. Und es gab in den 70er Jahren eine sehr prominente Silberspekulation, was zu völlig erratischen Schwankungen bei Silber- und Goldpreisen führte. Und da kam man zu Situationen, wo das Silber in dem Heiermann mehr wert war als 5 Mark. – Oh ja. – Und was passiert dann? – Weg. Ja. – Und dann ist der Heiermann einfach verschwunden. Und unser heutiges Geld ist, was die Bargeldseite angeht, die Münzseite sogenanntes Scheidegeld. D.h. der aufgedruckte Wert hat nichts mehr mit dem Metallwert zu tun. Bei einem 50-Euro-Schein z.B. ist es so: Die Produktion kostet ungefähr 25 – 28 Cent. Ja? Es stehen aber 50 Drauf. So versteht man es vielleicht am besten.

Und das andere Geld ist … Fiatgeld. Fiatgeld, ja? “Fiat” nicht wie das Auto, sondern Lateinisch “Es werde”. D.h. der Wert dieses Geldes entsteht durch Proklamation. Entweder juristisch über das Bundesbankgesetz, die Währungsverfassung, die ein Staat hat. Oder eben dadurch, dass man von der Bankengeldseite sagt: Ich akzeptiere ein Girokonto-Geld als Geld. Es ist zwar kein Geld aber durch “Fiat lux – Es werde Licht” entsteht dann dieser Geldcharakter. – Ich würde jetzt naiv denken der Staat druckt das Geld, macht das Geld. Ist das nicht so? – Die Antwort ist: Zum Teil. Das kommt natürlich aus der Historie als die Fürsten das Münzmonopol hatten und den sogenannten Prägegewinn, der aus dem Erzeugen der Münzen entstand, das sogenannte Seigniorage für den Staatshaushalt kassiert haben. So eine Seigniorage existiert heute auch noch und sie findet indirekt Einfluss in den Bundesbankgewinn und wird dann im Bundeshaushalt ausgeschüttet. Also z.T. hast du recht aber das ist nur der Teil, der sich auf das sogenannte Zentralbankgeld bezieht. Das ist geregelt im §14 Bundesbankgesetz und in den Lissabonverträgen. Und das ist in Deutschland das einzig uneingeschränkte Zahlungsmittel auf Euro-lautende Banknoten.

– Also das was wir im Geldbeutel haben. Wenn wir noch Bargeld haben. – Und jetzt müssen die Leute draußen ganz stark sein. Geld auf dem Konto ist kein Geld! Sondern es ist ein Zahlungsversprechen. Auf Englisch sagt man “I owe you – Ich schulde dir”. Und wie das mit Versprechen so ist… Also die Bank XY verspricht mir, dass sie mir das Geld auf meinem Girokonto auszahlen wird wann immer ich es möchte. Aber wie das mit Versprechen ist; also selbst wenn man sie gerne halten möchte, kann man sie manchmal nicht halten. – Aber es ist doch… Es wird damit ja etwas gemacht. – Ja. Das ist aber so eine Art Gesellschaftsvertrag. Also wir akzeptieren ja Überweisungen. Also z.B. Handwerkern u.ä. zahlen wir unsere Rechnungen. Und das funktioniert nur, weil wir uns im Prinzip darauf verständigt haben; nicht explizit aber implizit. Dass wir diese Zahlungen anstatt Bargeld annehmen. – Also Vertrauen für Vertrauen. – Genau. Das ist ja das Problem. Und das funktioniert deswegen, weil der Staat auch Überweisungen anstatt Bargeld annimmt. Also ich kann ja meine Steuern bezahlen oder meine Knöllchen vom Parken kann ich ja mit Überweisungen bezahlen. Und dann geht die Überlegung im Prinzip so: Naja wenn der Staat es annimmt, dann kann ich es auch annehmen.

– Ich hätte jetzt naiv gedacht: Wenn ich Geld zur Bank bringe und nach mir kommt jemand, der einen Kredit braucht, dann nimmt die Bank mein Geld, gibt es ihm oder ihr und sagt “Ja, wir wollen aber nochwas dabei verdienen. Außerdem haben wir dem Harald versprochen, dass er auch noch Zinsen auf sein Geld kriegt. Dann nimm das mal und mach damit was immer nötig ist. Also d.h. dieser Berühmte Satz: “Ihr Geld soll ja arbeiten usw.” Also mein Geld arbeitet dann gar nicht? – Also das ganz System, der Begriff ist vorhin gefallen, basiert auf Vertrauen. Und dieses Vertrauen, in normalen Zeiten, ist da. Und deswegen vertrauen wir darauf, dass uns die Bank uns dieses Geld auszahlen kann. Jetzt haben wir aber ein starkes Missverhältnis zwischen Bargeld und Bankengeld.

Ja? Und die Bargeldsumme ist relativ überschaubar. Wir haben im Euro eine Billion Euro Bargeld. Das sind 1000 Milliarden ungefähr. Und wir haben 350 Mio. Bürger. Jetzt lassen wir mal alle Spitzfindigkeiten weg wie gehortetes Geld und das im Ausland ist und teilen einfach die Billion durch 350 Mio. Dann kommt man auf eine Zahl von 2.700 oder so etwas. Und das bedeutet klar gesagt, dass wenn jeder von uns 2.700 € abhebt, ist Game Over.

Und das ist natürlich eine Situation, wo vorher das Vertrauen in das Geldsystem erschüttert sein muss. Also wir hatten so eine Situation in Zypern in der Griechenlandkrise. Da hat man dann drei Transall hingeflogen mit Bargeld, um die quasi wieder aufzufüllen – Die Geldautomaten wieder aufzufüllen? – Genau. Aber das ist in großen Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland logistisch überhaupt nicht zu bewältigen. Und das ist das, wovor die große Angst besteht… und der Kulminationspunkt aller Finanzkrisen ist ein Bankrun. Also so wie er auch 1929 stattgefunden hat. Die Leute kommen zur Bank, wollen ihr Geld abheben und kriegen keins mehr. Und dann hat man sehr schnell bürgerkriegsähnliche Zustände. – Ich glaube, dass in weiten Teilen der Bevölkerung genau dieses Gefühl doch besteht, dass es für das Geld, was ich in den Händen halte und auch für das, was ich auf meinem Girokonto habe, es irgendeine Art von Sicherheit gibt.

– Das ist aber nicht so. Sondern die Sicherheit ist nur das Versprechen der Bank und das Vertrauen, dass alle Leute haben. Und in dem Moment, wo das Vertrauen erschüttert wird, aus welchen Gründen auch immer, funktioniert das ganze System nicht mehr. – Also wenn über Nacht die bundesrepublikanische Bevölkerung auf den Gedanken käme “Ich hole mir einen Kredit bei der Bank”; alle würden das machen. Und zwar entsprechend den Vermögen, die sie schon besitzen. Dann hätte man schlagartig von einem Tag zum anderen eine Vermögensverdoppelung in Deutschland. Eine Geldverdoppelung in Deutschland vorgenommen. – Richtig. Und sofort würde der Vertrauensverlust so groß werden, dass das System in sich kollabiert. – Also das macht man einmal und dann nie wieder. – Das machst du auch nicht einmal. Das hätte die sofortige Implusion des Systems zur Folge. – Wahnsinn.

Wie lange geht denn sowas gut oder sind wir schon dabei, dass das System gegen die Wand läuft? – Die Leute verlieren so ein bisschen das Vertrauen ins System. – In das System mit dem Bankengeld. – Goldpreis ist außer Kraft gesetzt. Früher war es immer so, wenn die Zinsen steigen und wenn der Dollar steigt, fällt das Gold. Heute… Da passiert was. Dann gucke ich mir die Kunst an, ich gucke mir die Immobilien an. Die Preise für Oldtimer oder für gebrauchte Handtaschen, das ist das Allerschönste, explodieren. Und das zeigt mir, dass die Menschen das Bedürfnis haben in Dinge zu investieren, die nicht Geld sind. Wie sinnvoll es ist oder nicht; das würde ich hier jetzt nicht diskutieren wollen. – Aber einfach nur die Reaktion? – Ja.

Das ist im Prinzip wie ein Seismograph für das Vertrauen in Geldsysteme. – Was da passiert. Ja. – Und ich glaube, dass das ein Vertrauen ist, was sehr stark schrumpft. Und ich denke, dass kann man auch daran sehen, dass immer wenn die Sprache auf Griechenland kommt, Europa, den Euro, den Euroaustritt, Brexit Bla, Bla, Bla, ist es in der Politik so: “Gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen.” Und das macht mich ganz nervös. – Ja, damit ist eigentlich alles gesagt. Vielen Dank. .

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