Geld Macht Glück

Wir haben einfach eine Neidgesellschaft. Und wir kennen es ja auch nicht anders. Das Leben ist zu kurz. Von daher muss man Gas geben. Gewöhnt man sich auch dran. Schampanski? Du bist doch anders als dein Geld. Ich bin Steffen. Ich fahre Fahrrad, wohne zur Miete und besitze kein Haus, kein Auto – und auch kein Boot. Aber: Ich bin zufrieden. Ich habe einen Job, der mir Spaß macht und von dem ich gut leben kann.

Trotzdem, mal ganz ehrlich, träumt nicht jeder davon, ein klein bisschen mehr zu haben. Und wenn ich reich wäre? Was würde ich dann machen mit meinem Geld? Ich will in diesem Film vor allem Menschen aus meiner Generation kennenlernen, die deutlich mehr Geld auf dem Konto haben als ich. Mich interessiert: Was denken die über ihren Reichtum und was macht das eigentlich mit einem, wenn man mit 30 schon Millionär ist. Laut dem offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gehört zehn Prozent der Deutschen mehr als die Hälfte des Vermögens, nach anderen Rechnungen ist es noch deutlich mehr. Und weltweit? Ist die Ungleichheit noch viel krasser: Rund 80 Prozent des neu gewonnenen Vermögens ging im letzten Jahr an das eine Prozent der Reichsten. Ich will den Reichen näherkommen. Also fahre ich erstmal dorthin, wo viele von ihnen gerne Urlaub machen. In die Schweiz. Das hier, das ist unser Hotel. Und so schön es hier auch ist. Daran sieht man schon, dass wir nicht dazugehören zur besseren Gesellschaft. Denn Sankt Moritz selbst konnten wir uns nicht leisten. Wir müssen erstmal 13 Kilometer mit dem Auto reinfahren.

Es steht ja hier nirgendwo eine Grenze oder ein Zaun. Aber ungefähr hier muss sie sein, diese unsichtbare Grenze zwischen dem Geld und den normalen Leuten. Denn hier in Sankt Moritz ist alles teurer, exklusiver. Ein Ferienort für Reiche. Fünf-Sterne-Hotels an jeder Ecke. Ein Doppelzimmer kostet hier locker 1000 Euro. Und an diesem Wochenende steht der Saisonhöhepunkt auf dem Programm – Wer einen Pelz hat, trägt ihn spazieren beim Snow Polo auf dem zugefrorenen Sankt-Moritz-See. Wer das seltsam findet, der ist hier falsch. Hier trifft sich altes Geld und neuer Reichtum. Aus ganz Europa. Franzosen, Italiener, viele Russen.

Das Publikum kommt mit Heli oder Privatjet. Geld spielt hier keine Rolle. Und für normale Leute wie mich ist Polo ohnehin der falsche Sport. Vier, bis fünf Pferde braucht man für ein Spiel – pro Spieler. Der Sport ist so anstrengend für die Tiere, dass sie ständig gewechselt werden. Das muss man sich leisten können. Und darum geht es hier: sich Dinge zu leisten, die sich andere nicht leisten können. Aber was reizt die Leute daran? Das soll mir der Mann erzählen, der das Spektakel seit 33 Jahren veranstaltet. Reto Gaudenzi, der Mann da oben in der roten Jacke.

Traditionell sind die Schönen und Reichen hierher gekommen. – Warum? – Weil es wunderbar ist. Die sind ja nicht blöd. Es ist ja nicht so, dass man sie einfach mit Marketing hier hoch lockt. Die kommen hierher, weil es schön ist und weil es funktioniert. So ein bisschen gehört hier aber auch dazu: Pelze. Champagner. Was sind das? Statussymbole? – Champagner schmeckt wunderbar. Der Pelz ist das älteste Kleidungsstück der Menschheit. Es gibt Leute, die übertreiben es, wie überall. Paracelsus hat mal gesagt, in der Dosis liegt das Gift. Und das ist die Weisheit, die ich Ihnen hier gratis weitergebe.

Gratis immerhin das. Doch der ganze Luxus hier, der kommt mir ziemlich klischeehaft vor, bestätigt meine Vorurteile. Stellt wer wirklich Geld hat, seinen Reichtum heute noch so zur Schau? Ich recherchiere weiter. Ich will junge Start-Up- Millionäre kennenlernen. Und ich suche junge Erben eines millionenschweren Familienunternehmers. Leicht ist das nicht. Ich habe echt viele, viele Vermögende angeschrieben für diesen Film. Von den allermeisten habe ich ehrlich gesagt nie wieder etwas gehört. Dann gab es ein paar, die haben freundlich aber bestimmt abgesagt. Und dann gab es einige wenige, die haben geantwortet und gesagt: Kein Problem, kommt vorbei, wir reden gerne mit euch. Die erste Zusage bekomme ich von einem Mann, dessen Werbespot mit dem Affen ich beinahe auswendig kenne. “Was sagt der Inhaber Herr Grupp dazu? … Wir werden auch in Zukunft nur in Deutschland produzieren und unsere 1200 Arbeitsplätze sichern…” In meiner Kindheit lief dieser Spot regelmäßig vor der Tagesschau. Inzwischen ist Wolfgang Grupp, der Inhaber, 76, und macht sich über eine Nachfolge Gedanken.

Ich will ihn kennenlernen, vor allem aber seine beiden Kinder. Deshalb fahre ich nach Baden-Württemberg. Auf die schwäbische Alb. Nach Burladingen. Ein Ort ganz im Zeichen des Affen. Hudemann, vom ARD-Fernsehen. Hallo… Alles klar, vielen Dank. Wolfgang Grupp tritt gerne im Fernsehen auf. Und empfängt mich an seinem Schreibtisch. Mich überrascht, dass er kein eigenes Büro hat, sondern mit seinen leitenden Mitarbeitern auf einer Fläche sitzt. Zu den Abteilungsleitern gehören inzwischen auch seine beiden Kinder. Bonita Grupp ist 28. Sie war in einem Schweizer Internat, hat an einer englischen Elite-Uni Management studiert. Genau wie ihr ein Jahr jüngerer Bruder, der so heißt wie sein Vater: Wolfgang. Ich ahne schon, das ist auch eine Bürde. Wenn einer sagt, er bekommt simpel ein Barvermögen, dann kann er machen, was er will. Wenn einer sagt, er kriegt die Arbeitsplätze, die Mitarbeiter, dann hat er eine Verantwortung. Und das ist schon ein bisschen mehr, als wenn ich sage, ich kann frei entscheiden, was ich machen will. 1969 hat Wolfgang Grupp die Firma von seinem Vater übernommen – sie gehört bis heute ihm allein, und er allein trägt das Risiko.

Dass es das Unternehmen heute noch gibt, macht ihn stolz. Und deshalb führt er mich gerne herum. Wolfgang Grupp ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region, 1200 Mitarbeiter arbeiten für ihn. Manche nennen ihn den „König von Burladingen“. Sein Reich bereist er am liebsten mit dem Hubschrauber. Doch der ist gerade in der Werkstatt. Wo ist der Hubschrauberlandeplatz? – Dort. Sie sehen, da ist die Beleuchtung, das Runde da. Das finde ich jetzt gerade ganz interessant. Das sind Ihre Kinder, oder? Ja. Wie alt waren die da, wie lange ist das her? – Da fragen Sie mich was. 10 Jahre? Das war Ihnen schon wichtig, dass die sich damit identifizieren? Die Kinder sind ja mit im Betrieb aufgewachsen. Man ist als Kind normal auf sein Zuhause stolz. Der Bauerssohn ist stolz, welchen Traktor der Vater hat.

Und wenn die Kinder mal nicht mehr stolz sind, sondern sagen, nein, das will ich nicht. Dann ist meiner Meinung nach etwas schiefgelaufen. Für Sie war es aber völlig klar, dass zumindest eines Ihrer Kinder mal Ihnen nachfolgen wird? Für mich war klar, dass die Firma in die nächste Generation übergeht und dass die Kinder die Firma bekommen. Ich bin aber soweit, dass ich gesagt habe, die Kinder sollen sich ein Leben lang lieben und nicht ein Leben lang streiten.

Deshalb sollte nur ein Kind die Firma kriegen, welches, das weiß ich nicht, das kommt drauf an, welche Partner sie finden, wohin sie heiraten oder sonst etwas, wie das Leben zukünftig bei ihnen zu gestalten ist. Klingt nach: Papa sucht den Super-Erben. Andererseits: Die Firma ist sein Lebenswerk. Da würde ich mir die Nachfolge auch gut überlegen. Mittags machen Wolfgang Grupp und seine Familie gemeinsam Pause. Um vom Büro in die Villa zu kommen, müssen sie nur einmal über die Straße. Und auch mein Team und ich dürfen mit. Wolfgang Grupp ist Sylt-Fan, deshalb hat er das Haus mit einem Reetdach decken lassen. Hier wohnen alle vier Grupps. Und ich bin doch etwas erstaunt, dass wir einfach so mit hinein dürfen ins private Reich der Familie.

Wolfgang Grupp aber sagt, jemandem, der seiner Verantwortung als Unternehmer gerecht wird, dem neidet man nichts. Seine Kinder sind aufgewachsen mit beheiztem Schwimmbad und barockem Luxus – sie führen ein Leben unter dem Dach der Eltern – im Dienst der Firma. So ein Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern irgendwann zu übernehmen, das stelle ich mir auch als eine riesige Verantwortung, Herausforderung vor. Wie geht ihr damit um? Wir sind damit auch aufgewachsen. Wir sind von Kindeszeit an immer im Unternehmen drüben gewesen. an immer im Unternehmen drüben gewesen. Das ist definitiv ein Teil unserer Familie. Mein Vater sagt immer, der erste Gang, nachdem er mich mit meiner Mutter aus dem Krankenhaus abgeholt hat, war ins Büro. Und in den Ferien haben wir ausgeholfen mit Ferienjobs. Es war immer ein Teil von unserem Leben. Nun hat euer Vater ganz klar gesagt, eine oder einer von beiden soll die Firma übernehmen, nicht beide gleichzeitig.

Wie geht ihr mit der Situation jetzt um? Ich weiß, viele verstehen das nicht und denken, es muss ja sehr schwierig für euch sein. Aber für uns ist es so, so ist zumindest mein Empfinden, dass wir sagen, die Last ist von den Schultern genommen, wenn man sich jetzt noch nicht entscheiden muss, du machst es zukünftig, weil wir wissen ja noch nicht, wie sich unsere Wege entwickeln. Wichtig ist uns auch, dass es vielleicht auch die fähigere Person für diese Position, für diese Verantwortung auch machen sollte. Das sollten wir uns auch gegenseitig zutrauen. Fähigkeit meine ich nicht nur intellektuell, sondern auch von der Umgebenheit. Und ich bin da eigentlich auch der Überzeugung, dass wir auch in diesem Fall immer versuchen werden, unsere Familie zusammenzuhalten und da zusammen eine Lösung zu finden. Eine ganz andere Umgebung: Berlin-Kreuzberg. Früher war das mal das Zentrum der linken Szene, heute treffe ich hier in einer renovierten Fabriketage zwei Jung-Unternehmer, die bereit sind, mit mir über ihr Geld zu sprechen. Philipp Hartmann und Tobias Johann, beide Mitte 30. Man könnte sie fast für Studenten halten.

Aber sie haben Millionen gemacht. Zusammen mit drei anderen Gründern waren sie am Online- Lieferdienst Lieferando beteiligt. Hallo. Alles gut? Hallo! Vor vier Jahren ging die Firma an ein niederländisches Unternehmen. Für rund 50 Millionen Euro. Pizza-Money. Das war der große Durchbruch oder wie würdet ihr das bezeichnen? Das hat uns sehr geholfen, ja. Die Firma wurde als Lieferando in Deutschland relativ bekannt. Wir konnten sie verkaufen in 2014. Und dann ist genau diese Phase vorbei. Lieferando war da sechs, sechseinhalb Jahre alt, dass man halt sechseinhalb Jahre arbeitet für etwas, und man kriegt dann am Ende entweder gar nichts oder in dem Fall doch einen hübschen Betrag, der es einem ermöglicht, das alles hier aufzubauen. – Pizza-Money halt. Und ihr Pizza-Money stecken sie jetzt in neue Start-Ups. Gesundheit, Immobilien, darin sehen sie Potential. Die meisten Ideen werden scheitern, aber ein paar hier werden wieder Millionen einbringen. In den letzten Jahren haben sie 21 Start-Ups gegründet und in 15 weitere investiert. Was treibt denn die Leute an, die zu euch kommen mit einer Idee? Ist es erstmal die Idee oder ist auch schon der Traum vom großen Geld dahinter? – Nein, wenn das die primäre Motivation dahinter wäre, dann würden wir nie mit den Leuten zusammenarbeiten.

Natürlich ist Geld und Erfolg ein Indikator für deine unternehmerische Freiheit, dein Freiheitsgrad wird darüber definiert. So haben wir auch angefangen. Wir waren nicht nur von einer Idee getrieben, sondern wir haben uns irgendwann entschieden, wir wollen Unternehmer werden. Meine persönliche Motivation war, ich wollte einfach nicht angestellt sein. Und dann bleibt einfach nicht mehr so viel übrig. Ich hatte immer Angst, einen Chef zu haben. Und ich hatte immer Angst zu wissen, was ich in 30 Jahren mache. Angefangen haben sie als Studenten ohne großes Kapital. Wenn du dann 60 Stunden in der Woche arbeitest und hast dann halt 900 Euro, dann rufst du in der dritten Woche deine Eltern an, dass die dir noch mal 200 Euro überweisen.

Da schämst du dich, und du hast Stress. Kein Geld zu haben, macht dir enormen psychischen Stress. Das hältst du dein ganzes Leben nicht durch. Über den Punkt sind sie lange hinaus. Jetzt hantieren die beiden mit Mitte 30 mit ganz anderen Summen. In jedes neue Start-Up investieren Tobias und Philipp in der Regel zwischen 300.000 und zweieinhalb Millionen Euro. Zweieinhalb Millionen, das ist ja für jemand, der nicht Unternehmer ist, wahnsinnig viel Geld. Ist euch das noch bewusst oder werden irgendwann das irgendwann abstrakte Zahlen, die man gar nicht mehr mit der Realität zusammenbringt? – Grundsätzlich, alles was wir investieren, haben wir selbst verdient. Keiner von uns hat das Geld der Eltern genommen. Und deswegen ist uns das schon noch sehr bewusst. Aber im „Spur oft the moment“, wir haben auch Start-Ups gehabt, die haben 30 Millionen gebraucht, um profitabel zu werden. Und dann verhandelt man mit großen Fonds, die milliardenschwer sind, ob die einem 20 Millionen geben.

Und da wird es dann irgendwann mal komisch. Aber es ist auch schön. Trigema macht im Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz. Wie hoch das Privatvermögen der Familie Grupp ist, ist nicht genau bekannt. Auf jeden Fall reicht es für einen Butler, der mittags Müsli und Joghurt serviert. Kulinarisch macht Wolfgang Grupp keine Experimente. Und geredet wird bei Tisch über das Geschäft. Es wird momentan Trigema.de nicht eingetütet. Weil die nicht nachkommen mit der Unterwäsche und mit den Bademänteln. – Und die Frau Hinzmann hat gesagt, ihr wäre das gar nicht unrecht, weil dann kriegt sie die Sachen auch schneller. Heute Morgen hat sie schon zwei Stunden gewartet und hatte nichts zum Verpacken. Wenn Wolfgang Grupp der König von Burladingen ist, dann sind seine Kinder Prinz und Prinzessin. Mit Ende 20 im Haus der Eltern wohnen, all die Erwartungen des Vaters erfüllen müssen, der von Selbstverwirklichung nicht viel zu halten scheint, ein ganz schön hoher Preis für das Millionenerbe, finde ich.

Für uns war es noch nie hinderlich, und wir kennen es ja auch nicht anders. Und auch mein Vater kennt es ja nicht anders. Es ist ja auch hier reingeboren. Es ist aber auch so, dass wir ja nichts dran ändern können, wollten wir auch gar nicht, dass wir hier reingeboren sind. Ich persönlich glaube immer, man muss es als Vorteil sehen. Viele würden sich wünschen, egal ob mit Firma oder mit Familie, so eine Chance zu haben. Und wir sind ja selbst unserem Schicksal verantwortlich und sagen eben, wir müssen etwas draus machen. Es gibt ja auch welche, die dann so einen Hintergrund haben, die dann lieber sagen, ich nehme das Geld und mache mir ein schönes Leben. Ich glaube das ist eine Einstellungssache, kommt auch so ein bisschen drauf an, was man möchte. Ich kann da nur für mich persönlich sprechen. Wenn ich zwei Wochen im Urlaub bin, dann freut man sich, wieder ins Geschäft zu kommen und was machen zu dürfen.

Ich könnte mir nicht vorstellen, in Südfrankreich die ganze Zeit auf einer Yacht zu liegen. Ich glaube, da würde ich Depressionen kriegen und mich irgendwann mal von der Yacht runterstürzen. Ich glaube, man kann auch recht schnell alleine sein, wenn man dann nur das Geld nimmt und sagt, der Rest ist mir egal. Aber das sehen nicht alle so. Luxus ist sichtbarer geworden, seitdem es soziale Netzwerke gibt, wo Selbstdarstellung Programm zu sein scheint. Jedenfalls in Gruppen wie Rich Kids of Germany. Dicke Karre, dicke Uhr, Privatjet, fette Flasche Schampus.

Irgendwie scheint das ja seinen Reiz zu haben. Jedenfalls kriegen die Rich Kids of Instagram im Netz massenhaft ihre Likes. Ich habe einige von den Rich Kids angeschrieben. Er hat mir geantwortet. Heute treffen wir Bayo. Bayo ist 35, in Nigeria geboren und seit zehn Jahren als Unternehmer in Deutschland. Er zeigt eben sein Leben her, zeigt vor allem her, was er hat. Wir schauen einfach mal, was wir heute von ihm zu sehen kriegen. Adebayor Surakatu, so heißt er mit vollem Namen, wohnt in Bremen. Etwa jeder Sechste im kleinsten deutschen Bundesland lebt von Hartz IV, und gleichzeitig leben hier so viele Millionäre wie sonst nur in Hamburg. Wir sind am Rand des Bremer Bürgerparks verabredet. Im noblen Parkhotel. Bayos Bentley kenne ich schon aus dem Netz. Hallo Bayo. – Wie geht’s dir? Gut. Als Kind, so erzählt er, kam er aus Nigeria nach New York, dann nach Deutschland, als Unternehmer sei er hier reich geworden, habe unter anderem mitgeholfen, eine Firma an die Börse zu bringen, die Finanztransaktionen über eine App anbietet.

Dass viele Deutsche so ungern über Geld reden, hat er noch nie verstanden. Hier im Parkhotel gibt es besten Service. Champagner. Damit kann man auf jeden Fall den Tag versüßen. Das gehört schon dazu, oder? – Absolut. Immer wieder gerne. Das ist Rick Hublot, der Besitzer der Uhrenmarke Hublot. Social Media ist vor allem ein Hobby, sagt er. Aber es hilft ihm auch, sich als Unternehmer zu vermarkten. Seinen Followern gefällt Bayos Leben zwischen Luxus und einflussreichen Promis. Warum hast du diesen Instagram-Account? Warum machst du das? Das ist für mich ein Motivationsfaktor. Damit ich Leuten zeigen kann, egal, welche Herkunft man hat. Egal, ob das aus Afrika ist oder anderen Ländern. Leute, die ehrgeizig sind, die für sich sagen, ich möchte aus mir als Unternehmer etwas machen, für die möchte ich Vorbild sein. Wenn das jetzt andere sehen, könnten die auch neidisch sein, oder? Natürlich. Aber ich glaube, dass wenn man meinen Werdegang kennt, was ich hinter mir gelassen habe, die Wege, die ich gegangen bin. Ich stehe dazu. Ich liebe den Luxus. Weil ich mir das mittlerweile gönnen kann. Seine Eltern gehörten in Nigeria zur Mittelschicht, erzählt er mir.

Der Vater Bankangestellter, die Mutter Lehrerin. Er führt jetzt ein glamouröseres Leben. In ein paar Jahren will er sich zur Ruhe setzen. Wie viel Geld Bayo wirklich hat, ist für mich schwer zu überprüfen. Du siehst, ich mache das nicht so oft. – Du bist Profi. Auch ein bisschen Klischee, was wir jetzt hier machen, oder? Für mich ist das mittlerweile eine Art, zur Ruhe zu kommen. Es geht ja mittlerweile um Kleinigkeiten im Leben, bei denen man sagt, ich bin zufrieden. – Geschmackssache. Ja, toller Moment. Was macht die Faszination Luxus aus? In Sankt Moritz habe ich noch mal Gelegenheit, das auszuprobieren. Ich fahre zwar ein dickes Auto, bin trotzdem nett. Ein Sportwagenhersteller bietet Probefahrten an. Ich bin dabei! Zieht schon ganz gut. Wie viel PS hat der? – 430 PS. 430? Das ist ein bisschen wie im Computerspiel, ehrlich gesagt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das macht keinen Spaß. Jetzt die Frage: An wen richtet sich das, wer kauft sich das? Mit einem Maserati möchte man auffallen, man möchte den Luxus haben natürlich.

Den gibt es in anderen Autos auch. Aber wenn man mit einem klassischen deutschen Auto aus der oberen Mittelklasse vorfährt, dann ist das einfach kein Hingucker mehr. Es geht also schon ein bisschen darum, gesehen zu werden? -Definitiv. Gewöhnt man sich auch dran. Dann ist es vielleicht gar nicht mehr so besonders. Ich frage mich, ob man hier oben nicht generell den Blick dafür verliert, wie die da unten leben. Und ob man daran überhaupt etwas ändern will? Das frage ich auch den Snow-Polo- Veranstalter Reto Gaudenzi. Die Konzentration von Vermögen steigt in der Welt. Ist das etwas, das Sie hier auch beobachten? Da fragen Sie den Falschen. Ich organisiere Events für die Gäste, die sich das leisten können. Sozialkritische Fragen müssen Sie anderen Leuten stellen. Haben Sie eine Meinung dazu? Natürlich habe ich eine Meinung. Natürlich gibt es eine Ungerechtigkeit auf der Welt, keine Frage. Aber das ist eine schwierige Kiste. Und das ist ein sehr komplexes Thema, das Sie und ich sehr wahrscheinlich in diesem Leben nicht lösen können.

Möglicherweise. Wie würden Sie Reichtum definieren? Ich definiere gerne Luxus. Für mich ist Luxus, wenn ich das kriege, was ich will, wo ich es will, wie ich es will, wann ich es will und so wie ich es will. Das ist für mich Luxus. Das kann eine Bratwurst sein hier auf dem St. Moritz-See. Ich habe gerade eine gegessen. Wunderschön! Eine frische Bratwurst und ein Bier. Es muss nicht immer Kaviar sein. Luxus ist ein sehr, sehr dehnbarer Begriff. Jeder hat eine andere Einstellung. Gemessen an dieser Definition lebe auch ich im Luxus. Schließlich kann ich mir viele Dinge leisten, die ich gerne mache. Essen gehen zum Beispiel oder reisen. Das Glas Champagner bekomme ich übrigens frei Haus. Aber mit etwas mehr Geld auf dem Konto könnte ich vielleicht etwas weniger arbeiten. Oder öfter an Orte fahren, wo es so schön ist, wie hier in den Schweizer Alpen. -Dekadent. -Man kann es sich gut gehen lassen hier. -Super. Geht doch! Schampanski? Ja. Schmeckt besser als Sekt.

Von Sekt kriegst du Kopfweh. Von Champagner kriegst du gute Laune. Gute Laune? Klar! Aber wann wird aus den schönen Dingen im Leben Dekadenz? Zurück in Bremen bin ich noch einmal bei Bayo Surakatu. Diesmal in seiner Stadtwohnung, daneben habe er noch eine Villa, erzählt er mir. Zu sehen bekomme ich die nicht. An so einem Kaminfeuer habe ich genauso Spaß wie er. Ansonsten aber ist unser Geschmack doch sehr unterschiedlich. Steffen, das wäre doch etwas für dich. -Ich glaube nicht. Eines habe ich mir jetzt als Ziel gesetzt. Die Tourbillion Concept GMT, kostet 260.000 Euro. 260.000 ?? Davon kann man ein Auto kaufen. – Oder mehrere. Davon kann man auch ein Haus oder eine Wohnung komplett kaufen. Dafür kann man auch mehrere Jahre leben, oder? Ja. Absolut. – Für eine Uhr…Für eine Uhr, das stimmt. Interessant. Aber du hättest kein schlechtes Gewissen, dir so eine Uhr zu kaufen? Absolut nicht. Ich kam nicht aus einer Mega-Luxus- Familie. Ich habe jeden Penny und jeden Cent komplett selbst erarbeitet. Das heißt, du zeigst dir selbst, dass du erfolgreich bist? Oder du zeigst es anderen? Das Ziel ist es nicht, anderen zu zeigen, dass ich erfolgreich bin.

Das Ziel ist es, dass ich zufrieden bin. Dass ich weiß: So war er früher, dann habe ich viel Arbeit reingesteckt und so ist es jetzt. Viele Menschen arbeiten hart in Deutschland. Und werden trotzdem nicht reich. Den Start-Up- Gründern Tobias Johann und Phillip Hartmann ist das bewusst. Sie verzichten auf Statussymbole. Klar, sie gönnen sich jetzt öfter mal einen teuren Urlaub. Und sie haben sich jeder eine schöne Wohnung gekauft. Mittag essen sie weiterhin beim asiatischen Imbiss an der Ecke. Es ist euch wichtig, ein normales Leben weiter zu führen? Ja klar, das gehört mit dazu. Wir gehen ganz normal morgens in die Firma und abends wieder nach Hause, treffen uns mit Freunden, quetschen noch mal ein bisschen Sport mit rein, wenn wir mal wieder in der fitten Phase sind. Ich glaube, der einzige Unterschied ist, dass unsere Freunde zum massiven Großteil auch Unternehmer sind. Du hast sehr ähnliche Themen, die du miteinander besprechen kannst.

Habt ihr sowas erlebt, dass das Freundschaft beeinflussen kann, dass ihr vielleicht mehr Geld auf dem Konto habt als andere? Ich glaube, das wären dann keine richtigen Freundschaften. Die Freunde, mit denen wir nach wie vor sehr eng befreundet sind, die kennen uns aus Zeiten, wo wir in unserer studentischen WG gelebt haben und die kennen uns jetzt eben auch. Erwarten denn Leute, wenn sie mit euch beim Drink oder beim Essen sitzen, dass ihr dann bezahlt? Nein. Das glaube ich nicht, hoffe ich nicht. Oder kommt die Situation auf, dass du denkst: Soll ich den jetzt einladen? Nein, da denke ich überhaupt nicht drüber nach.

Wir haben uns immer schon gegenseitig eingeladen, aber es war immer schon einer zahlt, aber schon seit zehn Jahren, egal, ob jemand Geld hat oder nicht. Es hat immer irgendjemand einfach bezahlt. Wollen wir bestellen? Ich hätte gern eine Tom Kha Gai-Suppe mit Hähnchen… Also im Großen und Ganzen kann man so weiterleben. Was wäre denn die Alternative? Was würdest du denn sonst machen? Ich weiß es ja nicht. Ich finde das ja gut. Aber ich frage es mich halt, ob das was verändert. Vielleicht sind wir einfach nur fantasielos. Was bedeutet denn für euch Luxus oder wie würdet ihr das definieren? Für uns persönlich ist der Luxus diese Freiheit. Da kommen wir auch wieder schnell zu dem Thema, was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus, wenn er diese Freiheit hat, auch mal, wenn es einem Familienmitglied nicht gut geht, die Freiheit zu haben zu sagen: Hey, ich habe meine Partner, auf die ich mich verlassen kann.

Ich gehe jetzt einfach und kümmere mich um meine Familie und muss dafür keinen Urlaub beantragen und einreichen und kriege ihn nicht bewilligt, sondern ich kann vielleicht mal eine Zeit lang vielleicht aus einer anderen Stadt arbeiten. Das ist wahnsinniger Luxus. Luxus kann vieles sein. Bildung zum Beispiel. Privatschulen boomen. Wer es sich leisten kann, investiert in die Zukunft seiner Kinder.

Ich fahre an den Bodensee. Zum Internat Schloss Salem. Das ist so groß hier, da gibt es richtig einen Plan für die Schule. Von Prinz Phillip bis August Oetker. Adel und Geldadel schicken ihre Kinder schon lange hierher. Macht auf jeden Fall mehr her als mein 70er-Jahre- Betonbunker, in dem ich zur Schule gegangen bin. Das Schuljahr kostet hier stolze 40.000 Euro. Ich habe einen Termin bei Direktor Bernd Westermeyer. Guten Tag. Die Schule ist in einem alten Kloster untergebracht. Diese Bereiche sind normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Für mich macht der Schulleiter eine Ausnahme. An den Wänden hat man die Darstellung der alten Äbte.

Zisterzienser. Man sagt auch immer: der weiße Konzern. Sie waren sehr geschäftstüchtig. Und das Kloster damals sehr reich. Heute gehen hier die Kinder derer zur Schule, die es sich leisten können. Sie kommen aus ganz Deutschland, inzwischen aber auch aus Indien und China. Rund 800 Schüler in den Klassen fünf bis zwölf. Und zumindest auf den ersten Blick leben sie hier nicht besonders luxuriös. Man kann hier einfach mal einen Blick reinwerfen. Die Zimmer sind entsprechend den alten Mönchsklausen, also den alten Mönchszimmern. Sieht aus wie in einer Jugendherberge. Bescheidenheit gehört zum Konzept. Die Schule, so heißt es im Leitbild, will Persönlichkeiten bilden, die später Verantwortung übernehmen.

Was bekommen denn die Eltern für diese 40.000 Euro, was sie an einer staatlichen Schule vielleicht nicht bekommen? Wir sind keine Dienstleister für Eltern, sondern wir geben Kindern hier einen Rahmen, der ihnen hilft, ihre Talente und Fähigkeiten vollumfänglich zu entdecken und wenn sie sie entdeckt haben auch auszuformen und zu entwickeln. Meine Eltern hätten sich das hier nicht leisten können. Aber für mich wäre so ein Internat auch eine Horrorvorstellung gewesen. Herr Westermeyer sagt, die Zeiten hätten sich geändert. Wir hatten den Untertan im Kopf oder die Vorstellung, dass in Kadettenanstalten, diszipliniert werde. Die Kinder heute sind aufgewachsen mit Harry Potter, die haben ganz andere Bilder. Für die ist das Abenteuer, Gemeinschaft, Freundschaft. Und das sind die Dinge, die sie suchen. Und tatsächlich ist es so, dass wer zwischen 14 und 18 gemeinsam mit anderen Jugendlichen lebt und arbeitet und im Grunde Tag und Nacht zusammen ist, eine ganz besondere Bindung entwickelt, an den Ort, an die Menschen.

Und diese Gemeinschaft trägt ein Leben lang durch. Auch ein Netzwerk, das sich bildet? Automatisch. Aber das würde ich auch einer Schule wie dieser nicht vorhalten wollen, denn Freundschaften, Beziehungen entstehen überall. Bloß werden die Freundschaften, die man hier macht, einen im Leben vermutlich weiterbringen als andere. Bestimmt sind kleine Klassen, Lernkonzepte und die gute Ausstattung ebenfalls Argumente. Aber eben auch die Netzwerke. Möglichkeiten, die den meisten Kindern in Deutschland nicht offenstehen. Obwohl Herr Westermeyer betont, dass Salem auch Stipendien anbietet. Wie verträgt sich das denn mit Ihrem Gerechtigkeitsempfinden, dass es hier Schüler gibt, die für ein Schulgeld von 40.000 Euro etwas geboten bekommen, das Schüler auf staatlichen Schulen nicht geboten bekommen? Salem ist ein offenes Angebot für alle Kinder.

Jeder Schüler in Deutschland, der sich wirklich interessiert, könnte sich hier in Salem bewerben und seinen Hut in den Ring werfen. Aber es werden nur wenige angenommen werden können. Wir können natürlich nur eine begrenzte Zahl von Schülern annehmen. Aber ich muss einfach noch einmal darauf verweisen, dass wir als Bundesrepublik als eines der reichsten Länder der Welt in der Lage wären, die öffentliche Hand wäre in der Lage, die Bedingungen, die wir hier vor Ort vorhalten, an den Schulen der Bundesrepublik insgesamt abzubilden, das wäre möglich.

Und warum tut man es nicht, weil man es nicht will oder weil dann vielleicht doch die Mittel fehlen und man vielleicht höhere Steuern zum Beispiel von Wohlhabenden erheben müsste? Nein, nein, das kann ich so gar nicht stehen lassen. Der Staat hätte die Möglichkeiten, wir haben ja jetzt gerade sprudelnde Finanzquellen und Steueraufkommen in Deutschland. Der Staat hätte ganz klar die Möglichkeit, Gelder zu investieren. Wir geben in Deutschland zu wenig Geld für Bildung aus, da bin ich mit Herrn Westermeyer einer Meinung. Trotzdem geht es mir hier ein bisschen wie in Sankt Moritz. Die Wohlhabenden bleiben gerne unter sich. Warum sollten sie daran auch etwas ändern wollen? Auf dem Gelände der Oberstufe besuche ich einen Workshop, den zwei Ehemalige geben. Sie haben gerade ihr erstes Unternehmen gegründet. Vorbilder für andere hier. Was ist denn so euer Berufswunsch? Also ich will in London studieren. Economics und international Politics und dann auch vielleicht in die Richtung eigene Unternehmensgründung gehen. Ich möchte eher Jura studieren, also Wirtschaftsanwältin, auf internationaler Basis, gerne in Spanien.

Bei mir irgendwas mit Management oder Marketing, aber in welchem Bereich weiß ich noch nicht so ganz genau. Und inwieweit bringt euch Salem auf diesem Weg voran? Schon sehr weit. Weil wir schon unsere Persönlichkeit hier bilden können und man wird selbstbewusster, finde ich. Wichtig sind auch die Verbindungen, die man hier bekommt, zum Beispiel mit den zwei Jungs, dass man die mal persönlich kennenlernt. Bestimmt auch Verbindungen, auf die man dann später im Berufsleben zurückgreifen kann. Nach dem Workshop führe ich in Salem noch ein weiteres Interview mit Schülern. Drei Tage später ziehen die ihr Einverständnis zur Veröffentlichung zurück. Offen über Geld und Ungleichheit zu sprechen, fällt eben doch nicht so leicht. Auch die beiden Lieferando-Mitgründer haben eine Weile überlegt, ob sie in dieser Reportage dabei sein wollen. Und ob sie zeigen sollen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Trotzdem haben sie zusagt.

Philipp Hartmann nimmt mich mit in eine Kunstgalerie in Berlin-Mitte. Der Galerist Judy Lybke ist einer der bedeutendsten Kunsthändler Deutschlands. Er hat den Maler Neo Rauch entdeckt. Gerade zeigt er Bilder einer jungen Künstlerin, einer Schülerin des Leipziger Malers. Ihre Bilder gefallen mir. Jetzt muss ich was gestehen. Jetzt bin ich zum ersten Mal ein bisschen neidisch. Du könntest doch jetzt sagen, wenn du etwas siehst, das dir richtig gut gefällt, ich investier da rein oder ich kaufe es. Das kannst du auch. Das kann jeder. Wenn einem wirklich was gefällt, und du gehst in eine Galerie, und es ist ein Künstler, der noch lebt, dann kannst du schon sagen, mir gefällt diese Arbeit so gut. Ich kann ohne diese Arbeit einfach nicht mehr sein, ich brauche die. Du machst dasselbe, wenn du ein Auto sieht und sagst, ich brauche dieses Auto.

Du musst einfach nur deinen Fokus, deinen Schirm, den du da ausfährst, anstelle auf das Auto auf das Bild wenden. Und schon hättest du die Arbeit. Das kostet dann 14.000 Euro, da kriegst du natürlich auch ein Auto dafür. Das stimmt, ich habe kein Auto, also könnte ich mir noch ein Bild kaufen. Was reizt dich daran, ins Kunstsammeln einzusteigen? Ich glaube, man hat einfach ein Gefühl, ich finde das immer sehr schön, mit ganz diversen Leuten in Kontakt zu kommen. Kunstsammler sind genau das. Da sind Unternehmer mit dabei, da sind Erben mit dabei, da sind Leute mit dabei, die wirklich nur aus der Kunstszene kommen, wahnsinnig belesen sind und extrem viel Erfahrung haben. Das finde ich so schön, man kommt zusammen, auch wenn man ganz unterschiedliche Welten hat. Man trifft sich, vereint sich mit der Kunst, redet über sie, ist im Diskurs, sich auch damit auseinander zu setzen.

Wie wir es gerade besprochen haben, nicht nur dem allgemeinen Konsum sich hinzugeben und zu sagen: Wir brauchen immer höher, schneller, Uhr, Auto, trallala. Sondern es geht eher darum zu sagen, es gibt einfach schöne Dinge im Leben und es ist toll, wenn man sich die leisten kann. Irgendwie würde ich 14.000 Euro wohl zusammenbringen. Aber es wäre verdammt viel Geld für ein Bild. Und dann – hätte ich nicht mal genug Platz, um es aufzuhängen. Also, ich werde es mir erstmal nicht kaufen. Aber ich kann das verstehen. Ich kann es nachvollziehen, dass wenn man das Geld hat, dass man daran Spaß hat. Ein paar Kilometer entfernt in der Nähe des Ostbahnhofs, entsteht ein neues Stück Berlin. Der Holzmarkt soll ein Ort werden für bezahlbares Wohnen, Freizeit, Kunst. Finanziert unter anderem von Tobias Johann. Er ist einer der Gesellschafter, hat 25.000 Euro investiert.

Für seine Verhältnisse gar nicht mal so viel, aber er kann damit etwas bewegen. Dürfen wir bei euch reinschauen? Zusammen mit Ania Pilipenko aus dem Genossenschaftsbüro besucht er ein Künstleratelier. Er war schon länger nicht mehr hier, und jetzt zeige ich ihm, was hier so passiert ist. Und was macht ihr Schönes hier? Ihr macht mit den Tapes Bilder, so wie dort? Genau sowas, die Fassade von der Kita haben wir beklebt, die Diskokugel zum Beispiel auch.

Dass er einen Teil seines Geldes für eine lebenswerte Stadt einsetzt, das verschafft Tobias ein besseres Gefühl als ein neues Auto oder eine teure Uhr. Bitte schön! Oh, vielen Dank! Was haben wir da Schönes? Tarte au Citron mit Kakao-Splittern und Cashew. Mmh. Probiert mal. Willst du auch ein Stück? – Sieht gut aus. Ist auch lecker. Siehste, lohnt sich doch, so ein Ding hier zu unterstützen. Was hat dich denn zu bewogen, hier zu investieren? Das ist ja erstmal nichts, wo man Rendite erwartet. Berlin lebt ja von der Kreativität. Und dass hier Leute hinkommen, die sich ausdrücken wollen. Und denen muss man Räume schaffen. Und hätten die Leute vom Holzmarkt nicht in diesen sechs, sieben, acht Jahren mit so viel Herzblut darum gekämpft auf das aufbereitet, dann wäre eine Bank hier oder irgendein Bürogebäude. Und dann hättest du wieder weniger Platz für Künstler in Berlin.

Tobias und Philipp sind mir sympathisch. Aber ich frage mich, sind die beiden repräsentativ für die Reichen in Deutschland? Und gibt es das überhaupt: Die Reichen? Millionär, könnt ihr damit irgendetwas anfangen? Das ist hier rein, da raus. Das ist irgendwas, was die Leute reden, wo sie mit Klischees umgehen. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass wir eben keine Klischees sind, dass man es eben nicht auf das Geld alles reduzieren darf, sondern einfach komplexe Menschen anschauen sollte.

Sicherlich haben wir in unserem Leben genug Geld verdient. Nicht falsch verstehen, aber wenn jemand Millionär hört, der trägt so ein Bild von jemandem im Kopf, dem es nur ums Geld geht, der sich nur ums Geld definiert. Das ist eine Definition nur über dein Geld. Was für eine Scheiß-Definition ist das. Du bist doch anders als dein Geld. Gibt es dann auch den Begriff Zehntausendär und Hunderttausendär? Das macht doch alles keinen Sinn. Nee, höre ich nicht gern, finde ich auch blöd. Ich denke mal, es ist auch ein schwieriges Thema. Man weiß ja auch nie, wie der Gegenüber reagiert, deshalb spricht man vielleicht auch eher ungern drüber. Wenn man Vermögen hat, was würden Sie sagen, verpflichtet das zu etwas? Selbstverständlich. Ob ich ein Unternehmen habe oder Vermögen habe. Man hat immer eine Verpflichtung.

Das Schönste im Leben ist nicht Geld zu zählen, das Schönste im Leben ist das Gefühl zu haben, von anderen gebraucht zu werden. Ich glaube, es kommt auch auf den eigenen Charakter drauf an, wie man es dann nach außen repräsentiert oder was man damit macht. Wir wollten ja auf keinen Fall hier wohnen, und können uns nicht auf die Straße trauen, ohne dumm angepöbelt zu werden. Das sollte ja eigentlich nicht sein. Seid ihr jetzt eine Ausnahme, weil ihr euch das alles selbst aufgebaut habt oder haben viele Deutsche ein falsches Bild von vermögenden Menschen? Wir kennen ja viele Unternehmer, die älter sind als wir. Die den Weg länger beschritten sind und ultimativ dann auch mit viel Geld geendet haben. Und die denken in der Regel ähnlich. Wir kennen wenige Leute, die das nur monetär sehen. Das wäre ja auch schade.

Man kann ja nur so viel essen, man kann ja auch nur so viel trinken. Die Beispiele, die wir kennen, die sehen das in mehreren Facetten. Das heißt, das ist ein Klischee. Der Reiche, der auf einer Yacht sitzt, mit dem Privatjet um die Welt reist und ständig Champagner trinkt? Den gibt es auch, den wird es auch immer geben. Aber das wäre auch ohne Geld ein unsympathischer Kerl. Ob der Geld hat oder nicht, der wäre ein Depp. Zum Ende meiner Reise mache ich mich fertig für einen Abendempfang im teuersten Hotel von Sankt Moritz. Ich bin mit meinem Leben weiterhin zufrieden. Neidisch bin ich nicht geworden. Aber ablehnen würde ich mehr Geld wohl auch nicht. Ich hoffe nur, dass ich es dann sinnvoll einsetzen würde. Nicht jeder Reiche ist ein Protz. Ich habe kluge und reflektierte Leute kennengelernt. Aber dürfen wir uns darauf verlassen, dass alle Vermögenden sich aus eigenem Antrieb für die Allgemeinheit engagieren? Ich glaube, wir als Gesellschaft müssen dringend Wege finden, wie wir Reichtum gerechter verteilen. Denn eigentlich wäre doch genug für alle da.

Und wie ist es bei euch? Wärt ihr gern reich? Hättet ihr gern mehr Geld? Und was würdet ihr machen wenn ihr reich wärt? Und was ist überhaupt Luxus für euch? Übrigens findet ihr auch unsere ersten beiden Rabiat Folgen hier auf dem YouTube Kanal. “Drogenrepublik Deutschland” und “Netzwerk Pervers”. .

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